Multifunktionsanlage Wienburgstraße

Architektenwettbewerb: Onlinedokumentation

Architektenwettbewerb - Nichtoffener Wettbewerb | RPW 2013

Neubau der Multifunktionsanlage Wienburgstraße in Münster

Anlage für Sport + Kindertagesbetreuung

 I.            Aufgabenstellung

Die WBI beabsichtigt im Stadtteil Uppenberg der Stadt Münster den Neubau eines Funktionsgebäudes mit einer vierzügigen Kindertageseinrichtung (Kita) und Funktionsräumen für den ungebundenen der Stadt sowie für den vereinsgebundenen Sport des DJK Grün-Weiß Marathon  des Schachclubs Münster. Auf Wunsch der Stadt und im Einvernehmen mit den beteiligten Vereinen soll die die WBI das Gebäude planen, bauen und im eigenen Bestand an die Nutzer vermieten.

 Das multifunktionale Bauvorhaben soll

  • den Stadtteil mit bedarfs- und zeitgerechten Kita-Plätzen versorgen,
  • das Sportangebot an die wachsende Stadt anpassen,
  • die Nutzung des grundsanierten Sportplatzes an der Wienburgstraße sichern und verbessern,
  • Bestandteil der Erweiterungsfläche der 'Sportanlage Wienburgstraße' sein,
  • den DJK Grün-Weiß Marathon als Motor der Stadtteilentwicklung stärken,
  • dessen notwendigen Erneuerungsbedarf erfüllen und
  • den Schachclub Münster in das Vorhaben integrieren und am Standort fördern.

 Gefordert wurden kompakte Entwürfe, die gewährleisten, dass die jeweiligen Nutzungen eigenständig aber im Einklang miteinander, ggf. unter Ausnutzung von funktionalen Synergien, betrieben werden können.

 II.            Das Plangebiet

 Der Stadtteil Uppenberg der Stadt Münster gehört zum Stadtbezirk Mitte. Er liegt zwischen dem weiter nördlich gelegenen Stadtteil Kinderhaus und dem Kreuzviertel und wird nach Osten durch die Kanalstraße, nach Süden durch York-Ring, Friesenring und Cheruskerring, nach Westen durch die Steinfurter Straße (B 54) und nach Norden durch einen Streifen unbebauten Gebietes zwischen Uppenberg und Kinderhaus (Trasse der ehemals

geplanten Entlastungsstraße Nord/III. Nordtangente) begrenzt. Die wohnberechtigte Bevölkerung Uppenbergs betrug zum 31. Dezember 2018 9.135 Einwohner auf einer Fläche von 3,4 km², was einer Bevölkerungsdichte von 26.867 Einwohnern pro Hektar entspricht (Quelle Wikipedia).

 III.            Das Baugrundstück

 Das Baugrundstück liegt am Rande der östlich der Wienburgstraße gelegenen Erweiterungsfläche für die 'Sportanlage Wienburgstraße'. Hier hat die Stadt Münster eine provisorische Kita und eine Unterkunft für geflüchtete Menschen gebaut, die nur befristet genehmigt worden sind. Daneben befindet sich das behelfsmäßige Vereinsheim des GWM. Die Behelfsgebäude werden bei Realisierung des Vorhabens zu beseitigen sein. Die Erweiterungsfläche für die 'Sportanlage Wienburgstraße' befindet sich im 26 ha großen Wienburgpark. Das Baugrundstück befindet sich im Außenbereich gemäß § 35 BauGB. Der Flächennutzungsplan der Stadt stellt für den Bereich des Baugrundstücks eine Grünfläche mit den Symbolen für Dauerkleingärten, Sportanlagen, Spielplätze, Parkanlage und Badeplätze dar. Daher setzt die Genehmigungsfähigkeit des Vorhabens voraus, dass es sich einerseits harmonisch in die Landschaft einfügt und dass andererseits das zur ehemaligen Gärtnerei gehörende Wohnhaus in seiner Störanfälligkeit gegenüber den geplanten Nutzungen planerisch berücksichtigt wird.

 IV.            Erschließung

 Das gut erschlossene Baugrundstück liegt an der Wienburgstraße, die über den Friesenring im Süden an das überörtliche Verkehrsnetz angebunden ist. Vom Norden aus mündet die Salzmannstraße in die Wienburgstraße.

 V.            Wettbewerbsbedingungen

Auslobende:

Ausloberin des Wettbewerbs war die WBI. Die Organisation und Betreuung des einstufigen nichtoffenen Wettbewerbs nach RPW 2013 erfolgte durch das Architekturbüro Schopmeyer Architekten BDA Münster.

Teilnehmende

Die Gesamtzahl wurde auf neun teilnehmende Architekturbüros beschränkt. Neben drei eingeladenen Büros wurden weitere sechs Teilnehmer durch ein vorgeschaltetes EU-weit ausgeschriebenes Losverfahren gemäß den Regelungen der VOF ermittelt.

 a) Folgende drei Büros wurden direkt zur Teilnahme am Wettbewerb zu geladen

  • bbp : architekten BDA
  • Burhoff und Burhoff Architekten BDA
  • LECKE ARCHITEKTEN

b)          Folgende 6 Büros wurden zur Teilnahme am Wettbewerb ausgelost:

  • abdelkader architekten bda
  • Kimpel Architekten GmbH
  • Kubeneck Architekten
  • studioinges Architektur und Städtebau BDA
  • UTA architekten und stadtplaner GmbH
  • Wenk Architekten

 Ablauf des Wettbewerbs

  • Die Teilnehmenden erhielten Mitte September 2019 die Planunterlagen zugesandt.
  • Am 10.10.2019 fand sodann eine Preisrichtervorbesprechung sowie unmittelbar nachfolgend ein Kolloquium für die teilnehmenden Büros statt.

In der Preisrichtervorbesprechung hatten die Preisrichter*innen Gelegenheit zum wechselseitigen Fachaustausch sowie dazu, Anregungen zur Auslobung zu machen. Die teilnehmenden Büros erhielten im Kolloquium Gelegenheit zu Rückfragen und Diskussionen.

  • Der Abgabetermin für die Planunterlagen war auf den 22 11. 2019 terminiert.
  • Am 19. September 2019 tagte das Preisgericht.

Preisgericht

Das Preisgericht setzte sich wie folgt zusammen:

a)         Sachpreisrichter*innen

Kerstin Dewaldt, Leiterin Sportamt Münster

Sibylle Kratz-Trutti, Amt für Kinder Jugendliche und Familien Münster

Hedwig Liekefedt., Vorsitzende DJK Grün-Weiß Marathon Münster

Peter Todeskino, Geschäftsführer WBI GmbH

b)          Fachpreisrichter*innen

Christoph Achterkamp, Architekt BDA, Steinfurt

Heinz-Peter Döhring, Architekt WBI Münster GmbH

Prof. Dr. Volker Droste, Architekt BDA, Oldenburg

Dagmar Grote, Architektin BDA und Stadtplanerin, Ahaus

Prof. Oskar Spital-Frenking, Architekt BDA, Lüdinghausen

Stellv. Sachpreisrichter        Andreas Nienaber, Leiter Amt für Immobilienmanagement

c)          Sachverständige Beraterinnen

Theresa Elfering, (ohne Stimmrecht)            Sportamt Münster

Ute Oldenbüttel, Landschaftsarchitektin, Amt für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit Münster

d)          Vorsitzender des Preisgerichts

Prof. Volker Droste (einstimmig)

e)          Vorprüfung

Stefan Schopmeyer, Architekt BDA, Münster

Michael Hüging, Architekt Büro Schopmeyer

 


Ergebnis des Wettbewerbs


 

Erster Preis


 

 UTA architekten und stadtplaner GmbH

Dominique Dienies

Mitwirkende: Samuel Holz, Daniela Kison

Beurteilung der Jury:

Der Entwurf zur Multifunktionsanlage Wienburgstraße definiert -als stringent formulierter Längsriegel- den südlichen Abschluss der Sportanlagen. Dem Neubau vorgelagert verknüpft ein 'Sportboulevard' sämtliche Sportbereiche und bildet den Brückenschlag zum westlichen Sportplatz. Als großzügiger Vorplatz bietet er Flächen für Aufenthalt, Aktivitäten sowie Fahrradstellplätze und dient gleichzeitig der Vernetzung mit den übergeordneten Wegeverbindungen. Über den 'Sportboulevard' können sämtliche Funktionsbereiche des Neubaus erreicht werden. Funktional sinnfällig sind die jeweiligen Nutzungseinheiten (kommunales Funktionsgebäude / Sportverein und Schachklub) im 2-geschossigen Gebäudeteil organisiert und über einen gemeinsamen Eingang zugänglich. Die Kita ist -komplett ebenerdig organisiert- im eingeschossigen Gebäudeteil ebenfalls gut abgebildet. Die Raumeinheit aus großem Gymnastikraum, Mehrzweckraum und Multifunktionsraum wird als Bindeglied -an der Schnittstelle der unterschiedlichen Nutzungseinheiten- positioniert, sie ermöglicht die jeweilige Zuschaltbarkeit und gewünschte flexible Nutzung. Über einen Gebäudeunterschnitt entlang der Nordfassade, werden die Sportler einerseits auf selbstverständliche Weise zum Eingang geführt, andererseits kann ein Vorbereich sowie eine Wartezone für die -ausdrücklich gelobten- direkten Außenzugänge der Sportumkleiden im Erdgeschoss geboten werden. Das zentral positionierte Treppenhaus mit Aufzug erschließt sämtliche Nutzungseinheiten im Erdgeschoss und im 1. Obergeschoss mit Ausnahme der KiTa. Im Erdgeschoss überzeugt das Angebot, die Umkleiden sowohl von oben als auch über den inneren Flur erreichen zu können. Im 1. Obergeschoss sind die Räume U-förmig um einen Lichthof organisiert, die Einbündigkeit gewährleistet eine natürliche Belichtung der Flurzonen und gute Orientierung innerhalb des Gebäudes. Die Grundrissdisposition überzeugt durch die klare Organisation der Nutzungseinheiten, die sowohl einen störungsfreien Betrieb der jeweiligen Nutzungseinheiten gewährleistet, als auch alle Nutzungseinheiten zu einem Gesamtkonzept zusammenführt. Durch die bewusste und klug gesetzte Ausformung von Gebäudeeinschnitten und -rücksprüngen in Verbindung mit der Anordnung von Oberlichtelementen und -aufbauten, kann das Gebäude weitestgehend natürlich belichtet und belüftet werden. Die gewählte Holzbauweise und die daraus abgeleitete Ausformung der Fassaden entspricht der Aufgabenstellung und lässt eine wirtschaftliche Erstellung erwarten. Insgesamt überzeugt das Konzept durch seine stringente Grundrissorganisation, Baukörperkonfiguration und Fassadengestaltung ohne eine der Aufgabe angemessene Wertigkeit vermissen zu lassen.

Anmerkungen Sachpreisrichter:

  • Empfehlungen im Falle einer eventuellen Überarbeitung: Wirtschaftshof im Eingangsbereich nicht repräsentativ.
  • Erschließung vom Wirtschaftshof zu den Sportflächen 'durch' Erschließung Sport / Kita Änderungsbedarf: Zuschnitte der Dusch- und Umkleidebereiche
  • Das Vereinsleben hat keinen adäquaten Raum
  • Der Schulungsraum ist relativ weit entfernt vom Zentrum (Lösungsansatz: Evtl. Spiegelung der Multifunk-tionsräume)
  • Geringe Stellplatzanzahl
  • Die KiTa-Flächen sind zu groß

 


 Dritter Preis


abdelkader architekten bda

Friederike Abdelkader, Magdi Abdelkader

Mitwirkende: M.A. Miriam Kerstin, Cand. Arch. Anna-Lena Krüger

Beurteilung der Jury:

Die Verfasser schlagen einen langgestreckten, riegelförmigen Baukörper vor, den sie durch Einschnitte, Über-höhungen, Staffelungen, Einschnürungen und Unterschneidungen gliedern und gestalten. Den Auftakt an der Wienburgstraße bildet die Kindertagesstätte, die damit auch zum Gesicht des Gebäudekomplexes wird. Ob diese Lage für die KiTa im Vergleich zu den übrigen Nutzungen angemessen ist, wird vom Preisgericht kritisch diskutiert. Die Kindertagesstätte ist vernünftig organisiert, wobei die Lage des Büros für die Leitung im Obergeschoss nicht überzeugt. Eine Verknüpfung des Bewegungsraums mit dem kleinen Gymnastikraum ist gegeben. Die Umkleiden des Sportbereichs liegen sinnvollerweise im Erdgeschoss und sind gut organisiert. Sie sind ausschließlich über die beiden, ausreichend groß bemessenen Zugangsbereiche / Treppenhäuser zugänglich. Ein direkter Zugang von außen, der eine Verschmutzung des Innenraumbereichs zumindest in Teilbereichen verhindern könnte, ist leider nicht gegeben. Die Räume für den Vereinssport und den Schach-Klub liegen sinnvoll im Obergeschoss. Sie sind über die beiden vorgenannten Treppenhäuser großzügig erschlossen. Zusätzlich wird eine weitere, außenliegende Treppe für eine rauchfreie Entfluchtung des Obergeschosses angeboten. Ausdrücklich bemängelt wird die zu dichte Lage des Schuppens des Wirtschaftshofes an dem Gebäude. Hierdurch erfährt der innenliegende Flur des Riegels keinen überzeugenden Abschluss / Ausblick nach Osten. Vielmehr ist der dort entstandene enge Gang, durch den eine zusätzliche Begehbarkeit der Besucher-WCs ermöglicht werden soll, eher als potentieller Angstraum zu bewerten. Die Gestaltung der Fassaden vermag nicht zu überzeugen. Der zweigeschossige Unterschnitt bei der Kindertagesstätte wird für das dortige Klientel als zu überzogen und nicht passend angesehen. Im Bereich der Zugänge zu dem anschließenden Gebäudetrakt erscheint der dort ebenfalls zweigeschossig angebotene Unterschnitt, bezogen auf die im Vergleich sehr kleinen Zugänge, als unmaßstäblich. Hier wäre sicherlich ein Angebot von zusätzlichen Zugängen zu den Umkleideräumen hilfreich gewesen. Die Fassaden der Kindertagesstätte erinnern eher an ein Wohngebäude, bilden aber wie oben beschrieben das 'Gesicht' der Anlage und können diesem Anspruch in der vorgeschlagenen Form nicht genügen. Die dargestellte Konstruktionsart in Holzbauweise entspricht dem Wunsch des Bauherrn nach einer nachhaltigen Architektur. Ob man bei einer Brettschichtholzdecke eine anscheinend vollflächig abgehängte Decke in Gipskarton vorsehen muss, ist sicherlich fraglich. Die wirtschaftlichen Kenndaten liegen in dem gewünschten Rahmen. Insgesamt ein engagierter Lösungsansatz, der aber in der Ausbildung der Fassaden sowie in der städtebaulichen Situierung der Funktionsbereiche Schwächen aufzeigt.

 Anmerkungen der Sachpreisrichter

  • Positiv: Wirtschaftshof im Osten, zentrale Lage zu den zukünftigen Sportflächen Sport sollte das 'Gesicht' der Sportanlage sein
  • Die Umkleide- und Duschbereiche sollten von außen zugänglich sein Die Kita-Fläche ist zu groß


 Anerkennungen


bbp: architekten bda

Björn Bergfeld

Mitwirkende:    Julia Becker-Vahldieck, Enrique Canalda, Björn Parge

Beurteilung der Jury:

Der Verfasser der Arbeit 1005 gliedert das Raumprogramm der Multifunktionsanlage Wienburgpark in Münster strukturell in drei Einheiten: Im Osten die KiTa, die Gymnastik- und Mehrzweckräume in der Mitte und die Umkleide- und Vereinsräume im Westen zur Wienburgstraße. Die drei Körper fügt er mit eingeschossigen Erschließungseinheiten und sockelbildenden Außentreppen zusammen. Das Dienstleistungs- und Vereinshaus des Sports positioniert er richtigerweise mit den Umkleiden und WC-Einheiten über zwei Geschosse in Ausrichtung zu den Sportanlagen, die Vereins- und Verwaltungseinheiten organisiert er entlang innerer Flure mit Südausrichtung hinter den Umkleiden. Diese für das Vereinsleben wichtigen Raumeinheiten erzeugen in ihrer Ausformulierung nicht das kommunikative Umfeld, das an dieser Stelle wünschenswert wäre. Die Barrierefreiheit der Umkleiden im Obergeschoss ist nur über den inneren Aufzug gewährleistet. Das in der Mitte zwischen der KiTa und dem Sportgebäude liegende Gymnastikhaus, ist in seinem Volumen und der Positionierung im Ensemble gut gewählt und demonstriert die Gleichberechtigung in der Abfolge in der gesamten Anlage. Die KiTa als östlicher Abschluss der Anlage, mit der Möglichkeit der dreiseitigen Belichtung, ist logisch verortet. Der Grundriss positioniert die Funktionen zu einer Einheit, die für die Kinder eine gute Orientierbarkeit bietet bei einem Maximum an fließenden Raumeindrücken in der zweigeschossigen Erlebbarkeit. Die Ausrichtung eines Großteils der Gruppenräume Richtung Osten wird kritisch gesehen, das Leitungsbüro wäre im Erdgeschoss richtiger verortet. Im Flächennachweis überschreitet die KiTa das geforderte Programm deutlich, was die Wirtschaftlichkeit in Frage stellt. Der Wirtschaftshof als eigenständiger Baukörper im Osten wird funktional positiv bewertet. Die Lage der Stellplätze direkt an der Wienburgstraße sind so nicht möglich. Die angebotenen Dachlandschaften mit den schrägen Firstlinien, entsprechen in ihrer beabsichtigten skulpturalen Wirkung nicht dem strukturellen Inhalt der Gebäude. Die Erlebbarkeit scheint nur im Gymnastiksaal gerechtfertigt. In der KiTa und besonders im kleinteiligen Grundriss des Sporthauses führt die Dachlandschaft zu indifferenten Flur- und Raumhöhen. Das schuppenartige Material soll in seiner einheitlichen Nutzung für die Dach- und Wandbekleidung den skulpturalen Charakter der Gebäude stärken, wirkt aber in seiner goldenen Farbwahl für die Aufgabe zu artifiziell. Der Wunsch des Auslobers, mit dem Gebäude nachhaltig zu handeln, wird mit der Holzbauweise richtig beantwortet. Die Fassadenschindeln aus Aluminium heben diese Entscheidung aber leider wieder auf.


 

Lecke Architekten

Frank Lecke

Mitwirkende:    M.A. Thomas Walther, M.A. Sebastian Sehr, B.A. David Bartscherer, B.A. Jasmin Michalik

TGA: ps+ M.Eng. Dennis Schafmeister, Statik: Ing.Büro Austrup + Vandeck

Beurteilung der Jury:

Die Arbeit überzeugt in der funktionalen Verbindung der im Norden angesiedelten Platzsituation ('Plaza'). Hier ist ein Ort der Begegnung für alle Nutzer des Multifunktionshauses zu erwarten. Richtig findet die Jury daher, dass hier die getrennten Zugänge von der Kita und vom Sport ausgebildet werden. Überzeugend betrachtet die Jury in diesem Zusammenhang zudem den zu diesem Platz ausgerichtetem Jugendschulungsraum, der in der Gesamtschau von 'Innen' und 'Außen' ein Vereinsleben fördern kann. Die hier angeordneten Annexfunktionen wie Stuhllager, Versorgung (Theke) und Garderobe unterstützen diese Funktion. Leider gelingt es dem Verfasser nicht, einen repräsentativen sowie funktional guten Zugang zur KiTa zu formulieren. Der angebotene Eingangsflur ist auch, gemessen an der Zweigeschossigkeit des 'Kubus', nicht ausreichend, um auf das tägliche 'Gewusel' von Kindern und Eltern angemessen zu reagieren. Daran hindern schon die beiden Eingangstüren in unmittelbarer Folge, die den Eingang verstellen. Ansonsten hat die Raumaufteilung im Bereich der KiTa die Jury ebenso angesprochen, wie deren Lage im Osten des Baugrundstücks. Wenig gelungen ist der zentrale Eingang für die gesamten sportlichen Funktionen. Der Eingang leidet an den Mängeln, die auch schon für den KiTa-Bereich angemerkt wurden. Der Entwurf lässt auch keine weitere Erreichbarkeit der Umkleideräume von 'Außen' zu. Für ungebundene Sportlerinnen und Sportler, die nicht zu den Vereinen gehören, kann der zentrale Eingang als Barriere wirken. Demgegenüber benötigen die Nutzerinnen und Nutzer direkte Zugänge zu den Umkleiden und Duschen. Der Zutritt aller zu gemeinschaftlichen Nutzungseinheiten wird als Problem des wechselseitigen Nutzungsinteressen gesehen. Die Ableitung der außenliegenden Tragwerkskonstruktion kann die Jury nicht nachvollziehen. Die Assoziation einer 'Kinderkette' drängt sich nicht auf. Dieses Gestaltungselement verdeckt den sehr einfachen, dahinterliegenden Baukörper. Die Jury hegt auch Zweifel an der Beständigkeit der aufwändigen Tragwerksstruktur. Die Kenndaten halten sich anerkennenswerterweise im vorgegebenen Rahmen, was letztlich auf den ansonsten sehr kompakten Baukörper zurückzuführen ist.

 Anmerkungen der Sachpreisrichter:

  • Wirtschaftshof im Eingangsbereich nicht repräsentativ Einladender Einblick in das Vereinsleben Gemeinschaftshof ´Dorfplatz´ wirkt ansprechend
  • Zugänglichkeit der Duschen von außen wäre wünschenswert Spiegelung Umkleiden und Ballraum möglich
  • Eingang als Entree und nicht als Flur ausbilden


 Zweiter Rundgang


Burhoff und Burhoff Architekten BDA

Beate Burhoff, Klaus Burhoff

Mitwirkende: Nadeen Kamal, Ralph Kloth, Daniela Sudahl

Beurteilung der Jury: Die Hauptzugänge, Eingangsbereiche und angrenzenden Flure werden als zu eng empfunden. Die Lage der Umkleiden im Süden ist relativ versteckt, diese sind nicht von außen zugänglich, der Flur EG im Osten unbelichtet. Der Flur GWM im OG wird nur durch Oberlichter belichtet, die Orientierung im Gebäude fällt schwer, die Wegeführung ist etwas unübersichtlich. Die Baukörpergliederung steht im Widerspruch zur Grundrissorganisation.


 

studioinges Architektur und Städtebau BDA

Francesca Saetti, Thomas Bochmann, Stefan Schwirtz Mitwirkende:       Ana Román

Beurteilung der Jury: Der Wirtschaftshof mit Fuhrpark an der Wienburgstraße überzeugt als Hauptansicht nicht. Der hohe Verkehrsflächenanteil und hohe Erschließungsaufwand werden – wie gefangene Räume – kritisiert. Die Fassaden der Südseite haben nur geringen Bezug zu den dahinter angeordneten Räumen. Die Gruppenräume SKM sind weitest gehend ohne bzw. mit nur geringem Aussenraumbezug. Die Einblicke in die Gymnastikräume vom 1. OG werden als störend empfunden. Die Dachaufsätze mit Galerien der KiTa-Gruppenräume lassen einen hohen baulichen und betrieblichen Aufwand erwarten.


 Erster Rundgang


Kimpel Architekten GmbH

Rainer Kimpel

Mitwirkende:    Elmar Herrmann

Geldmacher + Schöning Ingenieure GmbH, Dortmund

Beurteilung der Jury: Die vorgeschlagene Gebäudetypologie bzw. Ausformulierung der zahlreichen Pultdachbaukörper weckt unbeabsichtigte, dem Selbstverständnis der Nutzer widersprechende Assoziationen. Die Zugänge GWM, SKM, KFG und Umkleiden sind zu eng und zu unübersichtlich - ein Eingangs- oder Vorbereich fehlt. Ein Gruppenraum der KiTa ist ausschließlich nach Norden orientiert. Zwei flachgedeckte Gymnastikraum-Baukörper wirken fremd im Ensemble, angrenzende Räume werden mit gleicher Raumhöhe wie die Hallen ausgebildet.


 

Kubeneck Architekten

Thomas Kubeneck Mitwirkende: Sara Moretti

Beurteilung der Jury: Der dreigeschossige markante Kopfbau an der Wienburgstraße steht im Widerspruch zur Lage der Eingänge. Die große, von oben belichtete Halle überzeugt in Bezug auf Benutzbarkeit, Funktion, bauliche Ausbildung und zu erwartende Erstellungskosten nicht. Die Lage der Umkleiden im OG, ohne direkten Zugang von außen wird kritisiert. Die Privatsphäre durch Einblicke vom OG in großen Gymnastikraum sowie in die Halle der KiTa wird gestört, die Differenzierungsräume der KiTa im EG fehlen. Es werden mehrere gefangene Räume vorgesehen. Der zu erwartende bauliche Brandschutz wird als sehr aufwändig eingeschätzt, die Anordnung der Fenster wirkt beliebig bzw. zufällig.


 

Wenk Architekten

Nils Wenk

Mitwirkende: Landschaftsarchitekt Ferdinand Kramer

Beurteilung der Jury: Die Anordnung der Zugänge und Gebäudenischen an der Nordseite vermögen weder funktional noch gestalterisch zu überzeugen. Die Ansicht West vermittelt nicht das Selbstverständnis des Nutzers und überzeugt nicht als Willkommensgeste der Multifunktionsanlage. Der Eingang zur KiTa sowie die Anlieferung und Ausformulierung der Küche werden kritisiert. Die Grundrisse der Räume mit Erschließung und Möblierung wirken zu schematisch und vage, sind nicht eindeutig zu lesen. Der Große Gymnastikraum hat keinen besonderen Aussenbezug. Es existieren zahlreiche unbelichtete Flurbereiche.

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